Hannovers Region baut 62 neue Fahrradpisten

Die Region will an vielen Straßen spezielle Pisten für Radfahrer markieren. Insgesamt sollen auf 62 Routen gestrichelte Schutzstreifen auf den Straßen angebracht werden. Das stößt vor Ort auf Skepsis.

An insgesamt 62 Ortsdurchfahrten in Hannovers Umland wird in den kommenden drei Jahren gebaut und gemalt. Um den Radverkehr zu fördern, will die Region dort, wo es notwendig ist, den Fahrbahnbelag sanieren. Für sämtliche 62 Ortsdurchfahrten plant sie sogenannte Schutzstreifen, eine Sonderform von Radwegen. Letzteres stößt nicht überall auf Begeisterung: Zu breit, zu laut, zu unübersichtlich und damit zu gefährlich, lauten Kritikpunkte. Geäußert wurden sie dort, wo es schon Planungen gab, vielfach von örtlichen Politikern, aber auch von Anwohnern.

Der Region geht es um das Radwegenetz für den Alltagsverkehr, das beispielsweise Pendler motivieren soll, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Es umfasst rund 800 Streckenkilometer und ist an die wichtigen Radwege in der Stadt Hannover angebunden.

„Häufig fehlen Radverkehrsanlagen oder vorhandene sind zu schmal“, heißt es in einer Bestandsaufnahme, die Dirk Thäle vom Fachbereich Verkehr präsentiert hat. Nur ein knappes Viertel des Gesamtnetzes hält der Fachbereich demnach für so gut, dass kein Handlungsbedarf besteht. Für den Rest gilt: Radfahrer sollen auf lückenlosen Pisten mit wenigen Hindernissen und klarer Wegeführung schneller als bisher ans Ziel gelangen.

Region hat Fördergeld beantragt

Um die Ortsdurchfahrten anpacken zu können, hat die Region Fördergeld beim Bundesumweltministerium beantragt. „Kürzlich haben wir die Nachricht erhalten, dass 3 Millionen Euro bewilligt worden sind“, sagt Sprecher Klaus Abelmann. Eine weitere Million Euro wird die Region zur Finanzierung des Drei-Jahres-Programms aus eigenem Etat beisteuern.

Wenn es um die Umsetzung geht, kommt die viel diskutierte Radwegebenutzungspflicht ins Spiel. Im Jahr 2010 hat das Bundesverwaltungsgericht in einem Urteil festgelegt, dass der Radverkehr vorrangig die Fahrbahn für die Autos nutzen soll – der Fachmann spricht von Mischverkehr. Das galt früher als Sicherheitsrisiko, deshalb wurden, wo immer möglich, separate Radwege angelegt. Mittlerweile ist man zur gegenteiligen Auffassung gelangt. „Aktuelle Forschungen haben ergeben, dass Radfahrer immer dann am sichersten fahren, wenn sie möglichst durchgängig im Sichtfeld der Autofahrer bleiben“, sagt Gerald Roloff vom Fachbereich Verkehr der Region.

Seitdem hat Mischverkehr Konjunktur. Eine Spielart davon bildet der Schutzstreifen, bei dem sich die Radfahrer auf Fahrbahnniveau befinden und ihr Bereich durch eine gestrichelte Linie von demjenigen für den Autoverkehr abgetrennt ist. Autos dürfen die Grenzlinie nur in Ausnahmefällen überfahren.

Die Regel besagt, dass Schutzstreifen auf Strecken mit Gegenverkehr so angelegt werden müssen, dass sich zwei Autos auf der restlichen Fahrbahn begegnen können müssen. Trotzdem herrscht vor Ort Skepsis. In Burgdorf-Ehlershausen beispielsweise, wo es den Streifen schon gibt, hatte es im Vorfeld Proteste gegeben, der Ortsrat hat sich dagegen ausgesprochen. Das hält an. „Radfahrer als schwächste Verkehrsteilnehmer befinden sich in permanenter Gefahr“, beklagten Politiker bei einem von der CDU organisierten Ortstermin. Das liege auch daran, dass Autofahrer die für Schutzstreifen geltenden Verkehrsregeln nicht kennen würden.

Weniger Parkmöglichkeiten

In Burgdorf-Schillerslage mit seiner stark befahrenen Ortsdurchfahrt sehen einige Politiker die Dinge ähnlich und würden die Radler lieber auf dem vorhandenen kombinierten Geh- und Radweg belassen. In Burgwedel-Engensen beklagen Ortsratsmitglieder wegfallende Parkmöglichkeiten für Autofahrer und mögliche neue Gefahrenstellen. Weitere Kritikpunkte, die mancherorts geäußert werden: Es entstehe zusätzlicher Lärm durch Rollgeräusche von Autoreifen auf den Markierungen; große Fahrzeuge wie Traktoren oder Busse hätten nicht mehr genug Straßenraum.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club und die Polizei sehen die Dinge in der Regel anders und halten die Schutzstreifen für sinnvoll. Es gibt sie auch in Hannover, beispielsweise an der Podbi. Die ist im vorderen Teil Richtung Lister Platz eher beengt, deshalb ist im Vorfeld über die Separatpiste lange diskutiert worden. Seit sie eingerichtet worden ist, hört man davon nicht mehr viel. Die Sache funktioniert.

Quelle: haz.de
erstellt: Webmaster, 19.01.2017

 

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Pressemitteilung ADFC Kreisverband Harburg

Landkreis Harburg träumt noch von heiler Autowelt!

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) ist da schon weiter, wie man hier https://kommunal.de/artikel/fahrrad_trend/ lesen kann.

Carsten Hansen, Referatsleiter für kommunale Wirtschaft, Tourismus und Verkehr im DStGB, beschreibt den erforderlichen Wandel im Verkehr und ruft die Kommunalpolitiker auf, den Trend zum Fahrrad politisch zu stärken.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Kreisverband Harburg e.V. begrüßt diese Erklärung. Die Vorsitzende Karin Sager plädiert schon lange dafür, den Radverkehr auch in den Kommunen im Landkreis Harburg viel stärker zu fördern. Mittlerweile ist hier ein Durchstarten von „Null auf Hundert“ vonnöten, denn es gibt beinahe gar keine Infrastruktur für Radfahrende.

Bei über 500 Autos pro 1000 Einwohner (in der Samtgemeinde Hanstedt sind es über 700) wird der motorisierte Individualverkehr (MIV) zum Problem. Lebensqualität in Ortszentren wird zum Standortfaktor für Gastronomie, Einzelhandel und insbesondere für den Tourismus. Für eine Wende zu weniger Abgas und weniger Lärm ist allerdings Mut erforderlich. Die Gewohnheit, mal eben mit dem Auto zum Bäcker oder zur Apotheke, wird nur sehr schwer zu ändern sein. Kommunalpolitiker müssen sich stark machen für eine drastische Reduzierung der kurzen Fahrten im PKW.

Maßnahmen, wie die Überwachung des ruhenden Verkehrs, können hilfreich sein. Durch Temporeduzierung, Parkgebühren, Parkzeitbegrenzung, Durchfahrtverbote wird die Nutzung des eigenen Autos in Ortslagen unattraktiv und teuer. Vorrang für Radfahrer und Fußgänger sollte in Ortszentren selbstverständlich werden. Platz für Menschen, die sich im öffentlichen Raum sicher bewegen können und von Lärm und Abgasen verschont sind, muss geschaffen werden. Dabei wird der MIV eingeschränkt und muss zwangsläufig Straßen und Parkplätze hergeben.

Im Gegenzug muss der öffentliche Nahverkehr verstärkt werden. Mehr Buslinien mit besserer Taktung sind erforderlich. Die generelle Fahrradmitnahme ermöglicht, Teilstrecken zu überwinden. Kleine Orte können durch Mitfahrgelegenheiten, Rufbusse, Fahrdienste auf Minijobbasis, Gemeinschafts- oder Mietautos angebunden werden. In und zwischen den Orten muss das Radfahren sicher und komfortabel möglich sein. Alternative Mobilität muss einfach zu nutzen und überall verfügbar sein.

Auf dem Fahrradkommunalkongress in Ludwigslust konnte man gerade hören, dass immerhin 38% der Führerscheinneulinge kein eigenes Auto einplanen. Sie möchten eins zur Verfügung haben, aber keins besitzen. Dadurch sind weniger Stellflächen erforderlich und mehr Platz bleibt zum Leben. Dieser Punkt dürfte gerade in den Orten in der Metropolregion um Hamburg reizvoll sein. Denn zu den gemeldeten Privatautos kommen noch viele Firmenwagen, die die Orte zustellen.

Insbesondere die stark alternde Gesellschaft benötigt sichere Verbindungen zu Versorgungszentren und anderen Zielen. Ein attraktives Angebot, auf den eigenen PKW zu verzichten und trotzdem mobil zu bleiben, ermöglicht erst den Umstieg. Man kann nicht warten, Buslinien erst dann zu schaffen, wenn Menschen bereits an der Haltestelle stehen.

Die größeren Städte sind intensiv dabei, autofreie Zentren oder Wohnviertel einzurichten. Um Luftverschmutzung und Lärm nur annähernd an vorgegebene Richtwerte zu halten, muss der MIV reduziert werden. In Hamburg hat man keine Zeit mehr, noch von der heilen Autowelt zu träumen. Die Klimaschutzziele wurden gerade wieder verpasst. Eine Reduzierung des MIV um mindestens 20% ist sofort nötig. In Hanstedt ist in 2016 ein kurzes Aufwachen aus den Träumen der Autowelt passiert als die Parkflächen im Zentrum um den Dorfkrug geschlossen wurden. Der Landkreis Harburg wird die Förderung des Radverkehrs, wie vom DStGB gefordert, viel stärker angehen müssen, damit die Dörfer und Städte lebenswert und attraktiv bleiben. Für Träume ist kein Platz mehr.

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Karin Sager, Vorsitzende ADFC Kreisverband Harburg e.V. im Januar 2016

erstellt: Webmaster, 30.12.2016

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Antrag des ADFC an die Fraktionen des Kreistages

zur Bereitstellung finanzieller Mittel zur Umsetzung der Ziele des Radverkehrskonzeptes im Landkreis Harburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist allen bekannt, dass die Infrastruktur für Radfahrende im Landkreis Harburg nicht nur schlecht sondern weitreichend katastrophal ist. Der Fokus im Bereich Mobilität wurde bisher rein auf den MIV (motorisierten Individualverkehr) gelegt. In der Folge fehlen benutzbare Radwege zwischen den Orten im Kreis Harburg, Fahrradparkplätze und gute Schutzstreifen innerorts. Die Beschilderung in den Dörfern ist fast überall 30 Jahre oder älter und entspricht nicht den Vorschriften der seit fast 20 Jahren geltenden Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO).

Der Landkreis hat ein Radverkehrskonzept in Auftrag gegeben, das die Mängel und die Erfordernisse für eine bedarfsgerechte Radverkehrsinfrastruktur aufzeigen wird. Es wird eine Prioritätenliste erarbeitet, die dann auch umgesetzt werden muss. Dafür muss Geld bereitgestellt werden.

Der ADFC Kreisverband Harburg e.V. fordert für einen Anschub zur Umsetzung der ersten Maßnahmen eine Bereitstellung von 10 EUR pro Einwohner und Jahr (2017), um die schwersten Schäden (Gefahrenstellen) zu beheben und Baumaßnahmen der höchsten Priorität zu ermöglichen. Zu lange wurde gar nichts repariert. Für die weiteren Jahre sollten jeweils mindestens 6 EUR pro Einwohner zur Verfügung stehen.

Schon der Nationale Radverkehrsplan 2020 des Bundesministeriums schätzt den Mittelbedarf der Kommunen (Städte und Gemeinden) für den Neubau, der Erhaltung und den Betrieb der Infrastruktur auf etwa 6 bis 15 EUR. Bei dem Ziel, einen guten Standard zu erreichen, wird von 8 bis 19 EUR pro Einwohner ausgegangen (Seite 63). Für die Landkreise geht man von einem Bedarf von 1 bis 6 EUR pro Einwohner und Jahr aus, je nach Ausgangsniveau.

Die ausgewiesenen Radwege im Landkreis sind so schlecht, dass sie größtenteils als Gefahrenstellen beschildert sind. Viele Wege sind so schmal, dass nicht mal die Mindestbreite gemäß ERA 2010 erfüllt wird. Wir gehen im Landkreis Harburg damit von einem untersten Ausgangsniveau aus.

Der Landkreis Harburg gehört zur Metropolregion Hamburg. Velorouten aus Hamburg führen bis an die Stadtgrenze. Der Radverkehr in der Stadt nimmt sehr stark zu. Es wird in Hamburg ein Bündnis für Radverkehr angestrebt (http://hamburg.adfc.de/news/hamburg-strebt-buendnis-fuer-den-radverkehr-an/). Alle Signale für umweltfreundliche Mobilität stehen dort auf grün.

Der Landkreis Harburg kann vom Fahrradboom in Hamburg profitieren. Die Hälfte der Städter hat kein eigenes Auto und großes Interesse an komfortablen Radwegen in die Metropolregion. Fahrräder werden immer schneller. Pedelecs und S-Pedelecs werden die Metropolregion erobern, wenn Infrastruktur da ist.

Viele touristische Ziele im Naturpark Rosengarten, in der Lüneburger Heide und an der Elbe können Tagestouristen oder Wochenendtouristen per Fahrrad aus Hamburg anlocken. Es fehlen dafür nur die guten Wege und sichere Fahrradparkplätze. Die Züge des Metronoms bieten komfortable Fahrradwagen, mit denen man weiter in die Region fahren kann. Heide- und Elbshuttle kosten schon Geld und holen erfolgreich Radfahrer in die Region. Wer allerdings in Buchholz, Winsen oder anderen Haltestellen aussteigt und Radwege zu seinen Zielen benutzt wird kaum wieder kommen. Wer sein Ziel dann mehr schlecht als recht erreicht, weiß nicht, wo er sein Fahrrad sicher abstellen kann. Überall findet man riesige Parkplätze für PKW aber gar keine für Fahrräder. So entsteht ein schlechter Ruf, der schwer zu reparieren ist.

Jeder wird die Erfahrung gemacht haben, dass Infrastruktur genutzt wird, wenn sie angeboten wird. Der ADFC Bundesverband hat gerade die Radreiseanalyse der Bundesbürger veröffentlicht, http://www.adfc.de/presse/pressemitteilungen/adfc-radreiseanalyse-11-prozent-mehr-radurlauber-. Danach werden bereits 10% der Gesamtinlandsübernachtungen von Radfahrern gebucht, mit steigender Tendenz. Warum soll der Landkreis auf diese Einnahmequelle verzichten?

Ohne Einsatz von Geld wird dies alles nichts. Deshalb bitten wir alle im Kreistag vertretenen Parteien um die Zustimmung zum Antrag des ADFC Kreisverband Harburg e.V.

Gerne möchten wir auf die AGFK (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen) hinweisen und empfehlen dort beizutreten (http://www.agfk-niedersachsen.de/). Hier werden kommunale Radverkehrsinteressen verfolgt und Fördermittel akquiriert.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.


 

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