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 Betreff: Antwort auf Leserbrief.. 2010-08-25 18:33:10 
Reimund
Mitglied seit: 2008-11-16 12:15:21
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Am 21.07.2010 veröffentlichte das Wochenblatt einen Leserbrief, in dem Michael Mühlbauer persönlich angegriffen wurde. Weil die Antwort im Wochenblatt sehr verkürzt dargestellt wurde, ist hier die Volle Länge seiner Entgegnung:

Nordheide Wochenblatt vom 21. Juli 2010

„Hätte Herr Mühlbauer sich nicht beim ADAC informieren müssen?“

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Entfernung der Fahrrad-Schutzstreifen im Seppenser Mühlenweg sorgt bei Bürgen für Unmut und Unverständnis. Ich möchte deshalb zur Versachlichung der Debatte beitragen und erläutern, warum die Fahrradstreifen vor einigen Jahren aufgebracht und jetzt wieder entfernt wurden.

Die Schutzstreifen waren im Jahr 2005 angelegt worden, weil sich kurz zuvor die rechtlichen Rahmenbedingungen geändert hatten. Mit Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO) war erstmals festgelegt worden, dass Radwege eine Mindestbreite aufweisen mussten. Deshalb war es gesetzlich nicht mehr zulässig, den zu schmalen Geh- und Radweg im Seppenser Mühlenweg weiter als Radweg auszuweisen.

Es musste also eine Alternative her. Der Bau eines 2,50 Meter breiten Zwei-Richtungs-Radweges kam aus Platzgründen nicht in Frage, und hätte zudem auch den kompletten Verlust aller Straßenbäume bedeutet. Die in unserer Region relativ unbekannten Schutzstreifen waren deshalb eine gute Alternative, zumal man damit in vielen anderen Ländern (Holland, Frankreich, Schweiz) durchweg gute Erfahrungen gemacht hat.

Auch im Seppenser Mühlenweg haben sich die Schutzstreifen bewährt: Die Radler waren froh, auf den Streifen sicher und zügig voranzukommen, und von den Autofahrern respektiert zu werden. Auch von Anwohnern wurde meist positiv hervorgehoben, dass nach Aufbringung der Streifen nicht mehr so schnell gefahren würde.

Die jüngste Änderung der StVO schuf indes neuen Handlungsbedarf: Seitdem dürfen Schutzstreifen generell nicht mehr beparkt werden. Was im Sinne der Radler gut gemeint war, führte im Seppenser Mühlenweg freilich zu massiven Problemen: An zwei Stellen (an der Otto-Koch-Kampfbahn sowie im Bereich Lerchenweg) wurden die besagten Streifen regelmäßig beparkt. Ein unlösbares Problem, da in vertretbarer Nähe keine ausreichenden Parkraumkapazitäten vorhanden sind. Deshalb hatte die Stadt wegen der jüngsten Novelle der StVO keine Alternative: sie musste die Schutzstreifen wieder entfernen.

Für Fahrradfahrer hat das nur geringe Konsequenzen – sie nutzen im Seppenser Mühlenweg weiterhin die Fahrbahn. Dieses ist für die Fahrradfahrer auch sicherer, als den schmalen Gehweg zu nutzen, bei dem insbesondere die wenig übersichtlichen Einmündungen und Ausfahrten sind, die die Gefahrenpunkte darstellen.

Unter dem Blickwinkel der angestrebten Radverkehrsförderung ist die Entfernung der Schutzstreifen bedauerlich.

Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Anstrengungen, die Stadt Buchholz fahrradfreundlicher zu machen, weiterverfolgt werden. Auch wenn das im Einzelfall nicht immer einfach ist.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Mühlbauer

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Zuletzt geändert am: 2010-08-25 18:33:10 von Reimund aus folgendem Grund Ergänzung
 Betreff: Aw: Antwort auf Leserbrief.. 2010-09-12 14:23:00 
Reimund
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Kommentar zum Leserbrief

Die STVO-Novelle 2005 brachte wegen der fehlenden Radweg/Gehwegbreite den Schutzstreifen auf dem Seppenser Mühlenweg. Da dieser Weg von Radfahrern gern und viel frequentiert wird, um die Naherholungsgebiete Badesee Holm Seppensen, Büsenbachtal, Wörme, Handeloh und Inzmühlen mit dem Rad zu erreichen, haben wir als ADFC diese Maßnahme sehr begrüßt. Das Beparken im Bereich Lerchenweg und Otto Koch Kampfbahn war uns insbesondere wenn wir mit Gruppen unterwegs waren, ein Dorn im Auge, weil wir von dem Schutzstreifen auf die Fahrbahn ausweichen mussten.

Es stellt sich die Frage, ob bei der Planung des Wohngebietes "Lerchenweg" zu wenig Kfz-Stellplätze je Wohneinheit vorgesehen waren. Die Ausweisung von Parkraum für die Otto-Koch Kampfbahn (Tennisplätze,Fußballplatz und Tanzsportzentrum) scheint bei Fußballspielen dem Besucheransturm bei Weitem nicht gerecht zu werden, denn dann ist der Mühlenweg beidseitig beparkt. Dass die Stadt Buchholz nach der Novelle 2009 ohne Vorankündigung die Fahrradschutzstreifen entfernte, also die höhere Sicherheit der Radfahrer zugunsten von mehr Parkraum für Autos opferte, ist als Rückschritt für die Fahrradfreundlichkeit zu bewerten.

Vor etlichen Jahren erteilte die Jury des Wettbewerbs "Fahrradfreundliche Kommune" der Stadt Buchholz den 2. Platz. Ausschlaggebend waren derzeit zukunftweisende Konzepte, wie ein Radwegenetz,(in dem noch viele Lücken geschlossen werden müssen), eine Haushaltsstelle für Radverkehr im Haushaltsplan der Stadt, eine Stelle des "Fahrradbeauftragten", gelbe Haltegriffe für wartende Radler an Ampeln und Vieles mehr. Nach diesen "Vorschuß-Lorbeeeren" scheint jetzt eine Auto-dominante Politik zu regieren, wenn man sich die aktuellen Projekte wie OST-Ring, Kabenhof (Pendlerparkhaus ohne Fahrradstation!), Pendlerparkhaus Rüttgerstraße (mit 56 Fahrradstellplätzen, hoffentlich gebührenfrei wie die blauen Sammelkäfige!) ansieht.

Steht die "Förderung des Radverkehrs" und "Fahrradfreundlichkeit" noch auf der Agenda der "Familien-Stadt Buchholz" und der "Sport-Stadt Buchholz"? Ein deutliches und zugleich kurioses Bild bot sich im vergangenen Sommer vor dem Rathaus: Die feierliche "Eröffnung des Leine-Heide-Radweges" auf der Rathauswiese fand parallel zu dem "Mercedes-Cabrio-Treffen" auf dem Rathausvorplatz statt.

Ich wünsche mir in Zukunft, dass das umweltfreundliche, gesunde, sportliche und familienfreundliche Verkehrsmittel "Fahrrad" eine bessere Lobby erhält.

Reimund Rudkowski, 1. Vorsitzender der ADFC Ortsgruppe Buchholz

 

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