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In der Osterwoche zeichnete sich für die Feiertage schönes trockenes Wetter ab. Schnell war da der Entschluss gefasst, eine Radtour zu machen.
Morgens am Karfreitag starteten wir in Asendorf und radelten nach Buchholz. Mit Metronom und Regionalexpress ging es dann nach Reinfeld; bis zum Ende des HVV-Bereiches.
Tipp: Die Fahrradkarte am DB-Automaten kostet für den HVV-Bereich EUR 3,50; der Metronom-Automat verlangt EUR 4,50! Da kann man leicht mal zu viel bezahlen. Der Umstieg im Hamburger Hauptbahnhof war schon etwas kritisch, da die Idee einer Radtour vielen Leuten gekommen war und um nach Reinfeld zu kommen, mussten wir den beliebten Zug zur Ostsee nach Travemünde nehmen. Mit Glück und nach gutem Zusammenstellen der ganzen Räder kamen wir dann mit.
In Reinfeld angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einem kräftigen Frühstück. Gleich in Richtung Ortsmitte fanden wir eine Bäckerei mit leckeren belegten Brötchen und frischem Kaffee. Man konnte draußen sitzen und nun konnte der kleine Urlaub richtig beginnen.
Nach dieser Stärkung radelten wir in Richtung Lübeck über die Dörfer Stubbendorf, Groß Wesenberg und Niendorf. Über Lübeck Moisling kamen wir in die Stadt und fuhren zum Holstentor.

Nach kurzem Aufenthalt schoben wir in die Altstadt, um nach einem schönen Platz für einen Kaffee zu suchen.
Wir kamen am TheaterFigurenMuseum vorbei und entdeckten dieses schöne Rad, noch mit Eisenbereifung. Damit möchte ich nicht die steilen Gassen hinauf und hinab radeln ….

Weiter ging es zum Marktplatz. Bei Kaffee und Cappucino ließen wir es uns gutgehen. Anschließend ging es den Wegweisern nach auf die „Alte Salzstraße“, einem Radfernweg von Lübeck bis Lüneburg. Das erste Schild findet man kurz vor dem Holstentor. Nach ein paar Metern kann man bereits den Straßenverkehr verlassen und radelt zur Trave hinab.
Endlich wieder Natur und keinen Lärm, denkt man. Kaum hatten wir die erste Biegung der Trave umfahren, kam und schon mit lautem Getöse die "Trave Queen" auf dem Wasser entgegen. Es war ein Ausflugsschiff mit ziemlich lautem Motorengeräusch. Wir haben dann kräftig in die Pedale getreten und das Schiff war schnell vergessen. Als Entschädigung hatten wir nun viele Kilometer herrlichen Sandwegs durch die Natur vor uns.

Es war ein herrliches Radeln, fast eben, gut befestigt und neues Grün am Weg und an Büschen und Bäumen.
 
Der Radweg „Alte Salzstraße“ geht von der Trave dann bald am Elbe-Lübeck-Kanal weiter. Man ist total vom PKW Verkehr getrennt und befährt den nur für Radfahrer und Fußgänger freigegebenen Versorgungsweg des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg. Wir folgten diesem Weg bis Krummesse.
Hier erfuhren wir an der Straßenbrücke Krummesse, dass der Elbe-Lübeck-Kanal zwischen Trave und Schleuse Lauenburg von 20 Straßenbrücken, 6 Eisenbahnbrücken und 3 Fußgängerbrücken überspannt wird. Beim Radeln bemerkt man gar nicht, wie viele Brücken hier erforderlich sind.
Da wir noch weitere drei Tage Zeit hatten, beschlossen wir, einen Abstecher zum Ratzeburger See zu machen und fuhren über Beidendorf und Blankensee über kleine, verkehrsarme Straßen bis Groß Grönau. Hier schauten wir nach einem Bett & Bike Hotel und kam dann im St. Hubertus unter.
Wir hatten heute gute 60 km bei bestem Wetter hinter uns gebracht und kamen dort gut gelaunt an. Den Abend konnten wir im angeschlossenen Restaurant „Zum fabelhaften Hirschen“ ausklingen lassen. Am Samstagmorgen starteten wir nach gutem Frühstück in Richtung Ratzeburg. Wir fuhren über Utecht an der Ostseite des Ratzeburger Sees hinunter.

Es war ein Feldweg, gesäumt von gelb blühenden Wiesen; wunderschön. Von Campow bis zum Abzweig „Hoheleuchte“ wurde der Weg ziemlich hügelig. Man hatte gut in die Pedale zu treten. Hier änderte sich auch die Umgebung; wir fuhren nun durch einen Laubwald, teils Mischwald, bis Bäk. Allerdings immer hinauf und hinab. Die Anstrengung hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Aussicht auf den See, immer wieder große Bäume und vor allem die herrliche Ruhe ließen die Anstrengung fast vergessen.
Natur pur – solch ein Schild habe ich bei uns noch nirgendwo gesehen. Und tatsächlich, über eine erhebliche Strecke waren Leittunnel für Ottern, Frösche etc. angelegt und mit Straßenunterführungen versehen.
Wir waren unbemerkt in das Biosphärenreservat Schaalsee gefahren, das hier bereits beginnt. Ein paar Meter weiter kam der nächste Hinweis, dass dieser Bereich auch zum Naturschutzgebiet „Steinerne Rinne und Mechower Holz“ gehört.
Im Wald bei Bäk gibt es Informationspunkte, die auf Telefonnummern hinweisen. Man kann zu Einzelthemen eine Nummer wählen und wird dann zu diesem Thema informiert. Ich habe es getestet und die Telefonnummer zum Thema „Ratzeburger Dom“ angerufen.
Eine nette Stimme erzählte dann, das Ratzeburg 1693 durch die Dänen beinahe komplett zerstört wurde. Man hatte einen Vertrag mit den Dänen abgeschlossen, der besagte, dass ein Schütze der Dänen ein Kegelspiel von 9 Kugeln in die Mauer des Domes schießen sollte. Wenn er versagt, sollte das Heer zurückweichen und die Kapitulation nicht erfolgen. Die ersten 8 Kugeln trafen genau. Bevor er nun die 9. Kugel passgenau setzen konnte, wurde dem Schützen der Kopf abgeschossen. Die Kapitulation wurde damit verhindert und die Dänen mussten abziehen. Diese Kugeln sind in der Mauer des Domes noch immer zu sehen.

Man weiß nicht, ob man alles glauben kann, es ist aber eine nette Idee, denn die meisten Leute haben ja ein Handy dabei.
Hinter Bäk kamen wir dann nach Ratzeburg und fuhren in die Stadtmitte. Wir hielten Ausschau nach einer Möglichkeit zur Kaffeepause und fanden ein Café, bei dem man draußen sitzen konnte. Leider ist der Ratzeburger Marktplatz nicht zum Erholen geeignet. Viele PKW fahren dort, einige ziemlich aggressiv, obwohl eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Km/h vorgeschrieben ist. Es ist laut und ungemütlich.
Passend dazu hörte ich dann Worte vom Nachbartisch. Zwei Herren unterhielten sich über das schöne Wetter während der Ostertage. „Man kann doch sowieso diese Tage nirgendwo hin, denn auf den Autobahnen stehen sie ja überall.“ Mit Schmunzeln habe ich nur leicht den Kopf geschüttelt, denn die beiden scheinen nur Fortbewegung mit vier Rädern zu kennen.
Wir wollten weiter, um diesen unerfreulichen Ort wieder zu verlassen und radelten Richtung Salem aus Ratzeburg hinaus. Kurz vor Salem fanden wir uns dann auf einer Radfahrerstraße wieder.

Hier war wieder „gut radeln“ und wir kamen zügig voran. Die grobe Richtung war nun Zarrentin. Es ging weiter über schöne Waldwege und die erste Schaalseebrücke. An zwei Stellen wurde der Weg ziemlich steil, so dass wir tatsächlich kurze Schiebestrecken eingelegt haben.
Der Löwenzahn hat sich hier gut eingenistet
Dann erreichten wir Seedorf am Schaalsee. Nun bot sich an, die Mittagspause direkt am Wasser zu verbringen, denn wir machten einen Abstecher zum „Hotel am See“.
Der weitere Weg führte uns Richtung Zarrentin durch wunderschöne Lindenalleen. Wir stellten fest, dass dieses Gebiet von diversen Fernradwegen durchzogen ist, auf denen wir stückweise auch geradelt sind. Themen sind hier vor allem die Alleen, die Seenlandschaft und die Herrenhäuser. Eine sehr schöne Gegend.
Nun waren wieder an die 60 Km gefahren und wir schauten nach einer Übernachtungsmöglichkeit. In Zarrentin war alles ziemlich ausgebucht, so dass wir wieder unseren Bett & Bike Prospekt nahmen. In Gudow-Kehrsen war ein Landgasthof eingetragen. Dort haben wir angerufen und nach Zusage ein es Zimmers sind wir dann dahin geradelt.
Wir waren hier sehr angenehm überrascht. „Landgasthof Meincke“ war günstig und sehr gut. Wir haben auf der Terrasse gegessen und konnten uns quasi mit den Hühnern unterhalten, von denen es am nächsten Morgen das Frühstücksei gab. Es war eine familiäre Atmosphäre, sehr freundlich.
Am Sonntag früh ging es weiter in Richtung Lauenburg. Wir kamen nun wieder an den Radweg „Alte Salzstraße“ und wollten diesem noch bis nach Lauenburg folgen. Über Gudow, Göttin und Güster fuhren wir wieder am Elbe-Lübeck-Kanal weiter. Die Strecke war interessant durch viele Tiere am Wegesrand. Massen von Gänsen und Enten waren zu sehen. Viele Blüten verzauberten den Weg.
Im weiteren Verlauf des Radweges „Alte Salzstraße“ kamen wir nach Büchen. Auch Büchen Dorf haben wir kurz angeschaut, sind dann aber gleich weiter geradelt. Wir kamen nach Lauenburg, unserem Endpunkt am Radweg „Alte Salzstraße“, denn wir wollten am Ostermontag pünktlich um 5 vor 12 in Krümmel sein zur Demo. Wir schoben die Räder durch die Lauenburger Altstadt und fanden ein paar Sehenswürdigkeiten
Bei Siebeneichen fanden wir den Drehschwebestein 1. Das musste natürlich probiert werden.

Die engen Gassen erinnern an die Altstadt von Lübeck. Viele Häuser sind mit Fachwerk und Verzierungen interessant anzuschauen. Für Radler ist das Befahren schwierig, denn es gibt durchgehend ziemlich holpriges Kopfsteinpflaster.
Unser Weg führte dann nach oben in die Oberstadt. Im Bett & Bike Verzeichnis hatten wir das Hotel „Bellevue“ gefunden. Es war ziemlich steil – der Weg nach oben, doch irgendwann hatten wir es geschafft.
Die Aussicht über die Elbe, fantastisch – aber kein Bett mehr frei. So gab es nur eine kurze Pause mit schöner Aussicht.

Ab und an ist die Elbe aus dem Wald zu sehen
Von hier sind wir auf dem Elberadweg weiter gefahren und durch eine schöne aber auch anstrengende Berg- und Talfahrt durch den Wald parallel zur Elbe gefahren. Wir hatten bereits im Krümmeler Hof angerufen und ein Zimmer reserviert.
Unten am Wasser kann man nicht fahren, es gibt keinen Weg, weil es steil hinauf geht. Etwas müde kamen wir dann in Krümmel an und waren froh, ein Zimmer gefunden zu haben.
Sonnenuntergang Ostern an der Elbe bei Krümme
Am Montagmorgen haben wir einen Rundgang gemacht und zugesehen, wie langsam die Vorbereitungen für die Demo losgingen. Die Polizei machte Absperrungen, die ersten Buden/Stände wurden aufgebaut. Gegen halb 11 kamen dann auch die ersten Demonstranten. Etwas später waren tausende Leute da. Interessant war vor allem, dass sehr viele Menschen mit dem Fahrrad gekommen waren. Viele Hunderte von Rädern säumten die Straße.
Nachmittags sind wir dann über die Brücke bei Geesthacht über die Elbe gefahren und am Deich bis Hoopte entlang geradelt. Nach kurzer Einkehr in Thieshope ging es dann zurück nach Asendorf.
Es war eine wunderschöne Tour, die man an 3-4 Tagen per Fahrrad gut fahren kann. Man hat kaum Kontakt zum Straßenverkehr (Ratzeburg kann man ja auch auslassen).
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